HOMEPAGE OF

ÜBER DAS ABENDMAHL

Homepage
Siebenbürgen
Meine Bilder
Über mich
Gästebuch
 

NAVIGATION THEOLOGIE

 HAUPTSEITE

 Segenswünsche

 Links

Haftungsausschluss
 
 
      

Die Feier des Abendmahls steht seit den Anfängen des Christentums im Mittelpunkt des christlichen Gottesdienstes. Jedesmal wenn die Glaubenden am Tisch des Herren zusammenkommen, um miteinander das Brot zu brechen und den Kelch zu empfangen, erneuern sie die Gemeinschaft mit und in Christus, als auch untereinander. Durch das Gemeinschaftsmahl erfahren sie zeichenhafte Anteilhabe am "Leib Christi". Die Grundlage der Abendmahlsfeier bildet die uns im "Neuen Testament" überlieferte Ermächtigung durch Jesus selbst, die Mahlgemeinschaft auch nach seinem Tod fortzusetzen.

Von seinem Tod her begründet  Jesus die Tischgemeinschaft neu: durch die Deuteworte wird die Darreichung von Brot und Wein zum Zeichen seines Sterbens für andere Menschen.
Freilich sind die überlieferten Abendmahlstexte Mk 14,22-25, Mt 26,26-29 und Lk 22,15-20, sowie 1 Kor 11,23-26, nicht einheitlich und mit den Einsichten der nachösterlichen Gemeinde weitergegeben. Unterschiede gibt es nicht nur im Wortlaut von Brot- und Kelchwort, insbesondere fehlt bei Matthäus und Markus der Befehl Jesu, das Mahl nach seinem Tod fortzusetzen. Welcher Wortlaut der ursprüngliche ist, oder was davon auf den historischen Jesus zurückgeführt werden kann, lässt sich wohl kaum gänzlich rekonstruieren. Wesen und Sinn des Abendmahls werden dadurch aber nicht hinfällig  -  allein der Schwerpunkt kann im Rahmen des überlieferten Wortes verschieden gelegt werden. Um so wichtiger ist es deshalb, die Überlieferung vom letzten Mahl Jesu mit seinen Jüngern nicht isoliert zu betrachten, sondern sie im Zusammenhang seines weiteren Wirkens,  besonders der übrigen Mahlfeiern, zu verstehen.
Die Gewährung von Tischgemeinschaft durch Jesus und seine Teilnahme an Mahlfeiern war ein charakteristisches Merkmal seines Auftretens (vgl. z.B.  Mk 2,13f;  Joh 6,1f). Ausgestoßene und Sünder waren dabei nicht ausgeschlossen, sondern nahmen Teil am Mahl, am Dienst und der Hingabe  Jesu für sie. Die Gemeinschaft war vorwegnehmendes Zeichen für das Reich Gottes, die Vergebung von Sünden und die Annahme durch  Gott zur eschatologischen Heilsgemeinde. Diese Mahlpraxis wird auch im letzten Abendmahl vor der Passion  Jesu fortgesetzt. Hinzu kommt  der Abschied von der irdischen Mahlgemeinschaft im Vorausblick auf den Tod am Kreuz, verbunden mit der testamentarisch wirkenden Zusage eines neuen Bundes, die erst nach der Auferstehung Jesu, über das Mahl und den Tod hinaus, ihren Sinn behält. Im Gedanken des neuen Bundes ist die dauerhafte Gemeinschaft der Jünger über das Sterben  Jesu hinaus begründet. In diesem Sinne kann das Abendmahl als Ursprung der Kirche gesehen werden.
Nach Tod und Auferstehung Christi gehörte in den urchristlichen Gemeinden das "Gedächtnis Christi" in den unmittelbaren Zusammenhang des Abendmahls. Paulus überliefert in  1 Kor 11,24-25, als von Jesus selbst gegebene Aufforderung in Brot- und Kelchwort:  "Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis  ...  Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis."  Und gleich darauf:  "Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt."
Das Gedenken an Jesus und seinen Tod ist hier eng mit der Verkündigung verbunden -  in der Art und Weise nämlich, dass durch die Verkündigung zum Gedenken angeleitet wird. Die enge Verknüpfung von Herrenmahl und Verkündigung fand ihre äußere Form im christlichen Gottesdienst, wie man ihn auch heute kennt und gestaltet.
Die wichtigsten Aspekte zu Wesen und Sinn des Abendmahls sind aus evangelischer, und besonders aus evangelisch-lutherischer Sicht folgende:


·  Gemeinschaft mit und durch Jesus Christus
·  Sündenvergebung und Bewahrung zum Ewigen Leben
·  Gedächtnis und Verkündigung
·  Danksagung


Überall auf der Welt sprechen Christen heute ganz selbstverständlich vom Abendmahl als einem Sakrament. Im Sinne des heute geläufigen theologischen Begriffes 'Sakrament' ist aber in den Texten des Neuen Testaments nirgends die Rede. Das neutestamentliche 'mysterion', das lateinisch mit 'sacramentum' übersetzt wurde, ist zunächst ohne direkten Bezug zu den Zeichenhandlungen, die später mit diesem Begriff gekennzeichnet wurden. Das trifft auch für das Abendmahl zu, in dessen Zusammenhang der mysterion-Begriff  im Neuen Testament nicht vorkommt. Charakteristisch für 'mysterion'  ist neben seiner eschatologischen, die zusätzliche christologische Bedeutung, mit der er sich vom damals üblichen Sprachgebrauch heidnischer Mysterienkulte distanzierte. Das lateinische 'sacramentum' übernimmt im frühchristlichen Gebrauch die eschatologisch-christologische Bedeutung, obwohl sie ursprünglich auch nicht zum Sinngehalt des Wortes gehörte.
Bis ins  12. Jahrhundert gab es keine feste Sakramentsdefinition oder eine einheitliche Zählung; man verwendete den Sakramentsbegriff lediglich als zusammenfassenden Oberbegriff kirchlicher Zeichenvollzüge. Demgegenüber waren sich die Reformatoren später einig, dass die christologische Ausrichtung unbedingt den Mittelpunkt des Begriffs bilden müsste. Luther sagte dazu:  "Unum solum habent sacrae literae sacramentum, quod est ipse  Christus Dominus."  (Einen einzigen Grund haben die heiligen Buchstaben des Sakraments, und der liegt in Christus dem Herrn selbst.)
Auf die Bezeichnung 'Sakrament' für gewisse kirchliche Riten wurde zwar nicht generell verzichtet, aber diese durften allein durch den freien Stiftungswillen Christi, bekundet durch die überlieferten Einsetzungsworte, begründet sein.
Das 'Testament Jesu'  (Mandat und Gnadenverheißung)  war aus reformatorischer Sicht für das Sakrament entscheidend, nicht aber seine Nützlichkeit oder Notwendigkeit  von einer einleuchtenden Idee her. In engem Sinne kamen deshalb für die Reformatoren nur Taufe und Abendmahl (bei Luther eventuell auch die Beichte)  als Sakramente in Frage. Luther und die anderen Reformatoren entwickelten dennoch keinen klar festgelegten Sakramentsbegriff, nicht zuletzt, weil sie einer solchen Festlegung keine vorrangige Bedeutung zumaßen, und weil sie selbst unterschiedliche Auffassungen vertraten. Während Zwingli nurmehr menschliche Erkennungszeichen in den Sakramenten sah, wendete sich Luther gegen diese Ansicht, die sich dann übrigens auch in der reformierten Bekenntnistradition nicht durchsetzen konnte, und betonte immer wieder den göttlichen Gabencharakter und das Zeichen göttlichen Gnadenwillens der Sakramente, der sich in Jesus Christus offenbart hat. Auch der Zeichenbegriff wurde unterschiedlich ausgelegt:  Melanchthon umfasste damit die ganze rituelle Handlung, während Luther den Zeichenbegriff stärker auf die sichtbaren Elemente (Wasser;  Brot und Wein) einschränkte.
Luther wendet sich vor allem gegen den Vollzug in der römisch-katholischen Kirche, wenn er das von Jesus gesprochene 'Wort' besonders hervorhebt. Damit wollte er betonen, dass Christus als Subjekt aller Sakramente und als ihr einziger Stifter zu gelten hat, und dass es schließlich nicht auf das 'Werk' des Priesters beim Sprechen der Einsetzungsworte oder auf die Verfassung und den Glauben der Teilnehmenden ankommt.
Die äußeren Zeichen der Sakramente und die dadurch geprägten rituellen Handlungen sind folglich in ihrem Sinngehalt nur vom Wort her zu verstehen. Im Hinblick auf das Abendmahl heißt es entsprechend im Großen Kathechismus:  "Das ist wohl wahr, wenn Du das Wort davon tuest oder ohn Wort ansiehest, so hast Du nichts denn lauter Brot und Wein, wenn sie aber dabei bleiben, wie sie sollen und müssen, so ist´s lauts derselbigen wahrhaftig Christus´ Leib und Blut."
Luther sah wohl die Gefahr, dass dem Stiftungswort der Status einer 'Zauberformel' beigemessen werden konnte, und ermahnte deshalb, das richtige Verständnis durch Auslegung im Gottesdienst immer wieder ins Gedächtnis zu rufen.
Auch eine symbolische Ausdeutung von Mahl oder Mahlelementen kommt um ihrer selbst Willen nicht in Betracht. Die Funktion der sakramentalen Zeichen liegt darin, das Testament Christi zu erfüllen. In diesem durch die Stiftung vorgegebenen Sinn soll auch das Abendmahl nach dem letzten Willen Christi als elementar bekräftigtes Verheißungswort zur Stärkung des Glaubens der Gemeinde bis zu seiner Wiederkunft wiederholt werden.
Die Feier des Abendmahls bildet seit der Zeit der ersten christlichen Gemeinden bis heute das "Herzstück" des christlichen Gottesdienstes. Durch das Abendmahl sind Menschen auf der ganzen Welt und über alle Zeiten im gemeinsamen Glauben durch und in Christus verbunden. Die Anwesenheit des ganzen Herrn in Brot und Wein gibt den Glaubenden die Gewissheit, dass die Verheißungen, die Jesus seinen Jüngern bei seinem letzten Mahl gegeben hat, wirklich erfüllt werden. Bei allen konfessionellen Unterschieden sollten wir als Christen stets bedenken, dass es Gott ist, der uns zu seinem Tisch einlädt, und der sich uns im Abendmahl gibt. Als seine Gäste können wir nicht ohne, oder gegen den Willen unseres Gastgebers feiern. Wir sind angewiesen auf seine Gaben und Verheißungen, mit denen wir selbst, als auch untereinander gestärkt werden, und die wir dankend annehmen.
Weil Gott  alle  Glaubenden zu sich einlädt, müssen wir als Kirche der Glaubenden bestrebt sein, gemeinsam an seinen Tisch zu treten und seinen Willen zu bekunden. In diesem Sinne sollte es für alle, die Gottes Angebot ernsthaft annehmen wollen, heißen:


"Kommet herzu, es ist alles bereit."



LITERATUR (Auswahl):

· K. Lehmann und  W. Pannenberg (Hrsg.),  Lehrverurteilungen - kirchentrennend?, Band I,
  Freiburg/Göttingen 1986.

· W. Pannenberg,  Systematische Theologie, Band III, Göttingen 1993.

· M. Welker,  Artikel: Kirche und Abendmahl, in: Marburger Jahrbuch Theologie VIII, Kirche;
  Marburg 1996.

· G. Wenz,  Einführung in die evangelische Sakramentenlehre, Darmstadt 1988.


 
 
 
E-mail
 

   ©  2003 Christian Agnethler.  

 SEITENANFANG