SIEBENBÜRGEN

VON DEM DRACOLE WAYDA ...

ZURÜCK
 

NAVIGATION SIEBENBÜRGEN

 HAUPTSEITE

 Allgemeines

 Geschichte

    1100-1300

    1300-1526

    1526-1705

    1705-1918

    1918-2003

 Kirche A.B.

 Wappengalerie

 Orte&Personen

 Reußdörfchen  

 Links

Haftungsausschluss
 
 
QUELLEN UND DOKUMENTE      

Vlad III. Ţepeş (1431-1476) war bereits zu Lebzeiten weit über die Grenzen seines Fürstentums, der Walachei, bekannt und berüchtigt. Zur Steigerung seines Bekanntheitsgrades trug die Erfindung des Buchdruckes durch Johannes Gutenberg um 1440 n. Chr. wesentlich bei, denn ab diesem Zeitpunkt konnten nicht nur komplette Schriften preiswert, schnell und in relativ hoher Auflage vervielfältigt, sondern auch allerlei sonstiges 'Wissenswertes' einem breiten Publikum präsentiert werden. Gedruckte Schriften und Bilder entwickelten sich zu einem Massenmedium, das auch für 'einfache' Leute zugänglich und erschwinglich wurde.
Schätzungen gehen davon aus, dass bis 1500 etwa 10 Millonen Buchexemplare mit 35.000 Titeln gedruckt wurden. Lose Flugblätter und Flugschriften sind dabei nicht berücksichtigt; ihre Zahl übertrifft bei Weitem die Anzahl der gedruckten Bücher.
Die Flugblätter der Zeit berichteten gerne von Kriegen, Greueltaten, Hinrichtungen, Katastrophen und anderen sensationellen Absonderlichkeiten und Neuerungen. Oft mit anschaulichen Holzschnitten verziert, befriedigten sie die Neugier der Menschen und brachten den Druckern Geld für größere Projekte ein.
Unter diesen Voraussetzungen ist es nicht verwunderlich, dass ab ca. 1460 eine Person besonders in den Blickpunkt der damaligen 'Medien' gerät, zumal sie das Spektrum an Publikumserwartungen vollständig abdeckte und augenscheinlich alles bis dato Bekannte an Grausamkeiten noch um Einiges zu übersteigen vermochte.

Die folgende Flugschrift wurde ca. 1560 von Mattheus Franck in Augsburg gedruckt.


Titelseite der Flugschrift.



TEXT:

Nach Christi vnsers Her=
ren geburt/ M. CCCC. Lvi.
Jar/  hat der  Dracole Wayda  vil  erschrö=
ckenlicher vnd wunderbarlicher
ding gethan/ als her=
nach geschriben
steht.


Zum Ersten/  hat der allt Gu=
bernator den allten Dracol lassen tödten. Vnd der Dracol/ sampt seinen Brüdern/ seind abgetretten von irem Glauben/ ha= ben verheissen vnd verschworen den Chri= stenlichen glauben zu beschirmen.
Dieser Dracol Wayda ( als yerzt der el= test vnter seinen Brüdern ) ist desselbigen Jars gesetzt worden zu einem Herren inn der Walachey: Zuhand hat er lassen töd= ten/ den Laßla Wayda/ der daselbst ein Herr gewesen ist. Bald hernach/ hat er in Sibenbürgen/ auch in Würtzlandt/ mit nammen Beckendorff/ lassen verbrennen/ sampt  vil   Mannen  vnnd  Frauwen/  Jung

[1]

 

vnnd Alle: Etliche hat er mit im heym ge= fürt in die Walachey/ an eysenen Ketten/ vnd allda gespisszt.
      Item/   Alle junge  Knaben/   die in sein
Landt geschickt seind worden/ von lehr= nung wegen der spraach/ die hat er in ein Stuben lassen sperren/ vnnd verbrennen/ Deren seind bey vierhundert gewesen.
      Item/    Er  hat  einen  friden  gemacht/
In demselben  aber/   hat er vil  Kaufleüt vnd Führleüt auß Würztlandt lassen spis= sen. Er hat auch ein groß Geschlecht auß reütten lassen/ vnd die ließ er spissen/ von dem minsten biß zu dem maisten/ Jung vnd Allt.
      Er hat  seines  Volcks etlichs nackend
lassen eingraben biß zu dem Nabel/ vnnd hat zu innen lassen schiessen: Hat auch et=
lich lassen bratten vnd schinden.
      Item/     Es   seind   Botten   geschickt
worden von dem Königreich zu Vngern/ Sachssen vnd Sibenbürgen/ in der zal 60 in die Walachey/ die hat der Dracol fünf wochen harren lassen/ vnd inen vil Spissz für die Herberg  zustellen befolhen/  das sie

[2]


also in grossen sorgen gewesen: Das hat er  darumb  gethan/  er  forcht  verrätherey.
In dem ist er gezogen in Würtzlandt/ hat zerstrewet das Getrayd/ vnnd alle frücht lassen verbrennen. Vnd das Volck ließ er gefangen füren ausserhalb der Kronstatt ( also genandt) alda hat der Dracol ge= rüwet bey sanct Jacobs Cappellen/ vnnd hat die Vorstatt lassen verbrennen. Auch als der tag des Morgens frü kam/ ließ er Mann vnd  Frawen/   Jung vnd Allt/   bey der Capellen vmb den Berg spissen/ vnd hat sich mitten vnter sie gesetzt/ das Mor= genmahl mit grossen frewden zuuor mit inen zuessen.
      Item/    Er  hat  auch  Sanct  Bartholo=
mei Kirchen lassen verbrennen/ unnd alle Ornat  vnd  Kelich  von  dannen genomen.
      Er  hat  auch seiner  Hauptmann einen
in ein grosses Dorff geschickt/ mit namen Zeinding/ zuuerbrennen. Aber derselb Hauptmann der mocht das Dorff nit ver= brennen/  vor widerstandt  der Dorffleüt: Kam wider heym zu dem Dracol/ vnnd sprach zu im:   Ich hab  nit mögen verbrin=

[3]


 

gen/ das du mich geheyssen hast. Von stunden hat er denselbigen Hauptmann spissen lassen.
      Item/   Es  seind  komen  Kaufleüt vnd
ander Volck/  mit  irer  Kauffmanschafft/ von Würtzlandt gegen der Thonaw gehn Pregel/ in der zal bey sechßhundert/ die hat der Dracol all lassen spissen/ vnd inen ir güt genommen.
      Item/ Dieser Dracol hat lassen machen
einen grossen Kessel/ vnd darüber brätter mit Löcher  gemacht/  hat  die Leüt  mit den Häuptern dardurch lassen schieben/ vnnd also versperren: hat den Kessel mit Wasser zufüllen/ vnnd ein grosses Fewer darundter zumachen/ befolhen/ das also das Volck so jämmerlich geschreyen/ biß sie gleich gar versotten seind[.]
      Item/   Erschrockenliche/   forchtsame/
vnaußsprechliche pein hat Er erdacht/ Nämlich/ das er Mütter vnd Kind/ an Brüsten seügende/ mit einander hat las= sen spissen/ das die Kind den Mütern an den Brüsten gezabelt haben biß inn den todt:  Deßgleichen  hat  er  den  Mütern die

[4]


Brüst auffgeschnitten/  vnd die Kind mit den Häuptern dardurch gestossen/ vnnd beyde mit einander lassen spissen.
      Item/   Er  hat  allerley  Volcks/   Chri=
sten/ Juden vnnd Hayden/ seytlingen las= sen spissen/darmit sie sich lang haben mö= gen rühren vnnd zabeln/ vnnd gewintzelt: durch einander als die Frösch. Darnach hat er in händ und füß auch lassen anspis= sen/vnnd zu inen in seiner spraach also ge= redt: Ey wie grosse geradigkeit treyben sie/ Also hat er sein frewd gehabt.
      Item/   Er hat  auff ein  zeyt einen Zy=
geüner gefangen/ der hett gestolen: da kamen die andern Zygeüner/ vnnd batten den Dracol/ er sollte ihn den ergeben. Da sprach er: Er müsst hangen/ vnnd ir müßt ihn selber hengken. Sie sprachen: Es wer nit ir gewonheit. Da ließ der Dracole den Zygeüner in einem Kessel sieden/ vnd mü= sten in die andern Zygeüner essen mit flai= sche vnd auch mit gebain.
      Item/   Es ward auff ein zeyt zu im ge=
schickt ein erwürdiger Mann/ der kam zu im bey den Leüten/  die er hett also lassen

[5]


 

spissen ( dann der Dracole vnter in vmb= gieng/ vnnd schawet sie/ deren da waren als ein grosser Wald ) vnd sprach zu dem Dracole: Warumb geht ir also vnter dem gestanck vmb: Der Dracole sagt: Ob es ihn auch anstuncke:  Er sprach:  Ja. Da ließ er ihn von stundan auch in die höch spissen/ auff das ihn die andern nicht an= stuncken.
      Item/   Ein  Pfaff  hett  gepredigt/   wie
das die Sünd nit vergeben wurden/ man gebe dann das vnrecht güt wider. Da lüd der Dracol denselbigen Pfaffen zu Hauß/ vnd setzet in an seinen Tisch. Der Dracol brocket weyß Brot ein/ welches er selbert essen wolt. Der Pfaff vnderstünd der bro= cken einen/ vn aß den. Der Dracol sprach: Wie hast du heüt gepredigt/ dz die Sünd nicht vergeben wirt/ man gebe dann das vnrecht güt wider:  Der Priester  sprach/ Ja.  Der  Dracole saget:  Warumb issest du dann mein brot/ das ich mir hab einge= rocket: Vnnd von stundan spisset er den Priester.
      Item/   Der  Dracole kam  in Sibenbür=

[6]


gen gehen Kalmotz/ daselbst hat er die Menschen lassen hangken als das Kraut/ die ubrigen hat er heym gefürt/ vnnd ge= spisszt.
      Item/   Er  hat  alle  seine  Landsherren
vnnd Edelleüt in seinem Land zu Tisch geladen: vnnd da die mahlzeyt verbracht was/ da hüb er an dem eltest an/ vnnd fraget:  Wie vil er  Wayda  ( die  in dem Land Herren sein gewesen ) gedächt: Al= so fraget er einen nach de andern. Vnd sie sagten als vil ein yeder wußt/ Einer sagt fünfftzig/ der ander dreyssig: Also wz kei= ner vndter in/ er sagt von siben: Da ließ er sie all spissen/ deren waren in der zal bey fünffhundert.
      Item/   Er  hat  Leüt  auff  Schleyffstai=
nen zu todt lassen schleiffen/ vnnd vil vn= menschlicher  ding  gethan/  die  man  von im sagt.
      Item/   Er  hett  ein  Schlaaffweyb/   die
gab sich auß/ sie wer schwanger von ihm worden: Da ließ der Dracol die Frauwen beschawen mit den Hebammen/ die sag= ten sie wer nicht schwanger. Da schneyd er

[7]


 

dasselb Schlaaffweyb  von  vndten  auff/ biß zu den Brüsten/ vnd sprach/ Er wollt besehen/ wo sein frucht wer/ oder wo er ge= wesen wer.
      Item/   Botten  seind geschickt worden
auß der Hermanstat in die Walachey/ die haben gsagt daheymen solchen jamer/ dz sie Todter vnd gespisszter Leüt/ als einen grossen Wald gesehen haben.
           Anno   Domini   M. CCCC. Lvii.   Ist
der Dracole kommen in die grossen Schil= thaw/ da hat er lassen tödten mehr dann fünffundzweintzig tausent Menschen/ al= lerley Volcks/ Christen/ Juden und Hey= den: vnter denen seind die aller schönsten Frawen unnd Jungkfrawen gewesen/ die durch sein Hofgesind behalten seind wor= den/ vnd hatten den Dracole/ das ers inen zu Ehelichen Weybern gebe. Da ließ der Dracole die Mann mit sampt den Frau= wen vnn Jungkfrawen zerhacken mit Sä= beln vnnd Schwerdtern  als das  Kraut: Das  hat  er  darumb  gethan/  das  Land ist dem Türcken Zynßbar geweßt/ vnd der Türck  hat  den  Zynß  offt an ihn  erfordert:

[8]


also sagt er gehn dem Botten/ er wöllt ihn selber raichen. Er zohe in das Landt/ da reytet man im entgegen des Zynß halben/ meinende dem Kayser allda zu bringen/ also kam ein Hauff nach dem andern. Do der Dracole sahe/ das sein zeyt was/ da schlüg er die all zu todt/ die ihm entgegen waren geritten/ wan sie sich des nicht ver= sehen hetten. Vnd der Dracole verbrandt die gantzen Wulgarey. Er ließ alle die Menschen/ die er gefahen mocht/ spissen/ dero waren in der zal bey fünffundzwein= tzig tausent/ ohn die in dem Fewr verdur= ben.
      Item/   Er sahe  einen  Mann  arbeyten
in einem kurtzen Hembd/ da fraget er den Mann/  ob er ein Weyb hett:  Er sprach/ Ja. Der Dracole hieß sie für ihn bringen/ vnnd fraget sie/ Was sie arbeytet: Sie sprach: Ich wasch/ bach vnnd spinn. Zu= hand ließ er sie spiessen/ darumb/ das sie ihrem Mann kein langes Hembd hett ge= macht: vnd gab im ein ander Weyb/ vnd sprach: Sie sollt im lang Hembd ma= chen/ oder er wolt sie auch spissen.

[9]


 

   Item/  Es kamen in sein Landt  bey dreyhundert Zygeüner/ da nam er die be= sten drey auß inen/ vnd ließ sie braten/ die müsten die andern essen:vnd sprach zu in: Also müßt ir all einander fressen/ oder zie= het an die Türcken. Des ware die Zygeü= ner fro/ an die Turcken zustreyten. Also ließ der Dracole Rossz und Mann in Kü= heütten kleyden. Da nun die Zygeüner an die Türcken kamen/ da scheüchten sich der Türcken Rossz vor dem rauschen der Kü= heüt/ vnd gaben die flucht an das wasser/ da ertruncken der Türcken gar vil/ Also sygten die Zygeüner ob.
      Item/    Dem  Dracole  ist  ein  Mönich/
Barfüsser Ordens/ auff einem Esel reyt= tende/ vndter wegengegegnet/ denselben Mönich hat er sampt dem Esel auff ein= ander gespisset.
      Item/  Es wurden zu ihm geschickt et=
lich Wahlen: Als sie zu im kamen/ nayg= ten sie sich/ vnd theten die Hüt ab/ und die Pyrret darundter behielten sie auff. Da fraget er/ Warumb sie die Häublein auch nicht  abtheten:  Sie  sagten:  Es wer  ir ge

[10]


wonheit/ vnd theten sie gegen dem Key= ser nicht ab. Der Dracole sprach: Ich wil euch das bestetten. Zuhand ließ er ihnen die Pyrret an die Häupter an nageln da= mit das in die Häublein  nicht abfielen/  vn ir gewonheit blib/ Also bestätiget ers mit dem.
      Item/   Es seind zwen  Mönnich kom=
men in sein Land/ die hat er geladen/ sie sollen zu ihm kommen/ das geschach. Da nam er den  einen Mönnich/  vnnd fraget in/ Was man gütes von ihm saget: Diser Mönnich forcht sich sehr/ vnn sprach: Man sagt alles güts von euch/ vnnd ir seyt gar ein frommer Herr. Das sag ich auch von euch. Er hieß disen Mönnich behalten. Vnnd man bracht ihm den andern Mön= nich/ der ward von ihm gefragt/ wie der Erst:  Da gedacht  diser Mönnich/  Ich müß doch sterben/ ich will im die warheit sagen/ vnd sprach: Ir seyt der gröst Wü= terich den man finden mag in der Wellt: vnnd keinen Menschen hab ich gesehen/ der euch ye güts nachsaget/ vnd das habt ihr wol bewysen. Da sprach der Dracole: Du  hast  mir  waar  gesagt/   darumb  will

[11]


 

ich dich leben lassen/ vnd ließ in ledig. Er schicket wider nach dem ersten Mönnich vnd vermaint/ er wurd im auch die war[=] heit sagen. Da sagt er wie vor. Der Dra[=] cole sprach: Nembt ihn hin/ vnnd ließ ih[n] spissen/ darumb das er gelogen hett.
      Item/  Er ließ Kinder braten/  die mü[=]
sten ire Müter essen/ hernach schneydet er den Frawen ire Brüst ab/ die müsten ihre Männer essen/ Zuletst ließ er sie all spissen.
      Item/ Er ließ allen Betlern/ die in sei[=]
nem Land waren/ ein güte mahlzeyt/ be[=] reyten/ nach dem mahl aber/ ließ er sie in dem Stadel ( darinn sie geessen hetten versperren/ vnd verbrändt sie all: Er ve[r=] maint/ sie essen den Leüten das ihr vn[=] sonst ab/ vnd kündten das nit verdienen.
      Bald  hernach da fieng  ihn der  Kön[ig]
von vngern/ behielt in vil zeyt härtigkli[ch] gefangen.     Nach dem macht der K[ö=] nig den Dracole Wayda wider zu eine[m] Herren/ als vor: Vnnd man sagt/ er h[at] hernach vil gütter sachen außgericht u[nd] bewisen.



[12]



QUELLE:

· Von dem Dracole Wayda,  dem grossen Tyrannen.  Gedruckt zu Augspurg,  durch Mattheum
  Francken, o.J. (Nachdruck).


 
 
 
E-mail
 

   ©  2004 Christian Agnethler.  

ZURÜCK