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MICHAEL GOTTLIEB AGNETHLER

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Am 15. Januar 2002 jährte sich zum 300-sten Mal der Todestag des siebenbürgischen Gelehrten Michael Gottlieb Agnethler. Aus diesem Anlass soll das Leben und Schaffen des 'filius patriae' noch einmal ausführlich gewürdigt werden.
Agnethler gehört zu jenen Söhnen seiner Heimat, die über die Grenzen Siebenbürgens hinaus tätig und bekannt geworden sind. Leider verhinderte sein früher Tod die volle Entfaltung der vielseitigen Begabungen und verwehrte ihm größeren Ruhm. Den bereits zu Lebzeiten erworbenen Lorbeerkranz eines beachteten und geschätzten Gelehrten konnte ihm der Tod indes nicht mehr entreißen.
Michael G. Agnethler wurde am 10. Juni 1719 in Hermannstadt geboren, wo sein Vater Daniel Agnethler von 1715 bis 1719 als Rektor des Gymnasiums tätig war. Seine Mutter Anna Maria war die Tochter des Michael Fabritius, der von 1711 bis 1713 das Amt des Stadthannen von Hermannstadt bekleidete.
Die Familie Agnethler war eine angesehene Patrizierfamilie, die mehrere verdiente Männer dieses Namens hervorbrachte. Der eigentliche Name des Geschlechtes war Lang; es wurde aber nach seinem Herkunfsort, dem sächsischen Marktflecken Agnetheln, auch Agnethler genannt, wobei sich dieser Name schließlich durchsetzte.
Der Großvater des Michael G. Agnethler hieß ebenfalls Michael und war Lektor am Gymnasium und Prediger in Hermannstadt, bevor er 1686 zum Pfarrer nach Hamlesch gewählt wurde. Der Ururgroßvater Michael Agnethler, war 1630 Stadthann von Hermannstadt; danach, ab 1634, Stuhlsrichter und Bürgermeister in derselben Stadt, bevor er am 30. Dezember 1639 zum Königsrichter gewählt wurde, welches Amt er bis zu seinem Tod 1645 ausübte.
Der Vater des hier vorgestellten Agnethlers wurde kurz nach der Geburt seines einzigen Sohnes zum Pfarrer nach Gierelsau (rum.: Bradu; ung.: Fenyöfalva) gewählt, so dass die Familie bald dorthin umzog. Die Kindheit dürfte Michael G. Agnethler in Gierelsau verbracht haben und ist erst später zum Besuch des Gymnasiums wieder nach Hermannstadt zurückgekehrt.
Aus dem Schriftsteller-Lexikon von J. Trausch stammt folgende Anekdote aus den Jugendjahren Michael G. Agnethlers: "Unser Agnethler war von Jugend auf von schwächlicher Leibesbeschaffenheit und sehr unruhigem Schlafe. Einmal geschah es auf der Hermannstädtischen Schule, daß er sich Abends frühzeitig zu Bette begiebt, indem seine Beiwohner noch bei ihren Büchern wachen. Bald bemerken diese bei ihm eine Aengstlichkeit, die einen Traum von Wassergefahren zu verrathen schien. Ein guter Freund nähert sich seinem Bette und ruft ihm mit gemäßigter Stimme zu: Schwimme! schwimme! du ersäufst! - Sogleich fängt Agnethler mit großer Heftigkeit an, Bewegungen eines Schwimmenden zu machen, bis er sich endlich durch einen heftigen Schlag auf die Bettspanne, aufwecket, und in vollem Schweiße und ganz abgemattet erwachet."
Im Jahre 1742 besuchte Agnethler die Hochschule zu Halle im Magdeburgischen und studierte dort Theologie. Gleichzeitig erwarb er sich Kenntnisse in den sog. "lateinischen Alterthümern" und beschäftigte sich mit Numismatik. Sein kränklicher Zustand brachte ihn schließlich vier Jahre nach Beginn des Studiums dazu, sich auch für Medizin zu interessieren. 1750 wurde Agnethler die Doktorwürde in Philosophie verliehen und nur ein Jahr später, 1751, sollte er auch in der Arzneikunst promovieren. Er wurde noch im selben Jahr in die Kaiserliche Akademie der Naturforscher aufgenommen und erhielt im Oktober einen Lehrstuhl zum "Professore Antiquitatum, Eloquentiae et Poeseos" an der Helmstedter Universität.
Jedoch, kaum dass Agnethler seine Vorlesungen angetreten hatte, brach die Schwindsucht (Tuberkulose) vollends bei ihm aus, der er dann am 15. Januar 1752 im Alter von nur zweiunddreißig Jahren erlag.


Fortsetzung folgt  .....


LITERATUR:

· Johann Benedict Carpzov,  Aeternae Memoriae  Michaelis Gottlieb Agnethler ...,  Helmstadii
  1752.

· Joseph Trausch,  Schriftsteller-Lexikon oder biographisch-literärische Denk-Blätter der Sieben-
  bürger Deutschen, Band I., Kronstadt 1868.


 
 
 
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