Martin Samuel Möckesch
Martin Samuel Möckesch wurde am 11. November 1813 als Sohn des Pfarrers Johann Michael Möckesch in Reußdörfchen geboren. Sein Vater sollte fast 65 Jahre ununterbrochen als Geistlicher in Reußdörfchen tätig sein,
bevor er nur zwei Jahre vor seinem Sohn am 7. Januar 1888 verstarb.
Martin Samuel hatte noch einen älteren Bruder Friedrich, der von 1833 bis 1840 als Gymnasiallehrer in Hermannstadt, danach als Pfarrer in Reußen und Kleinscheuern tätig war.
Er selbst absolvierte 1835 das Gymnasium in Hermannstadt und wurde anschließend als Schullehrer in Großau angestellt. Diese Tätigkeit sollte er allerdings nur kurzzeitig ausüben, denn ab 1836 begab er sich für das Studium der Philosophie nach Berlin.
Aus dem Ausland zurückgekehrt, schloss er 1839 sein Theologiestudium in der Heimat ab und brachte noch als "cand. theol." sein erstes Werk, "Die Pfarrkirche der Augsb. Conf. Verwandten zu Hermannstadt" heraus, das ihn dem an Kunst- und Denkmalpflege interessierten Fachpublikum bekannt machte.
In den folgenden Jahren verfasste er in dieser Richtung zahlreiche Artikel für in- und ausländische Zeitschriften und Kalenderblätter, wie z.B. der "Transsilvania", dem "Beiblatt zum Siebenbürger Boten".
Möckesch fand 1840 eine Anstellung als Elementarlehrer und ab 1842 als zweiter Lehrer an der neu errichteten Gewerbeschule in Hermannstadt.
Am 5. März 1845 wählte die Gemeinde Baumgarten Möckesch zu ihrem neuen Pfarrer. In der Gemeinde setzte er sich verstärkt für die Anschaffung einer Orgel in der evangelischen Kirche ein und spendete dafür den Erlös aus dem Verkauf seines 1846
veröffentlichen Bändchens "Geistliche Lieder in walachischer Sprache". (Die Gemeinde in Baumgarten verband mit Möckeschs Geburtsort Reußdörfchen, dass die evangelischen Bewohner beider Ortschaften von slavischen (bulgarischen) Einwanderern abstammten,
die in der Zeit der Reformation den evangelischen Glauben annahmen, sich sprachlich aber zunehmend vom Bulgarischen dem Rumänischen zuwandten.)
Möckesch verblieb fünf Jahre in Baumgarten bevor er 1850 auf eine Pfarrstelle nach Fogarasch wechselte. Am 29. Juli 1852 wurde er von Kaiser Franz Joseph I. mit dem goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet und zwei Jahre später, auf Antrag der
k.k. Central-Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale im österreichischen Kaiserstaat, zum "Konservator" ernannt.
1856 kam Möckesch von Fogarasch auf die Pfarrstelle nach Großprobstdorf und 1864 nach Marpod.
Im Jahre 1870 ging Möckesch dann nach Rumänien. Zusammen mit seiner Frau leitete er eine private deutsche Schule in Bukarest und unterrichtete auch in rumänischer Sprache.
Wegen eines starken asthmatischen Leidens musste er den Lehrerberuf zeitweilig an den Nagel hängen. 1878-79 übernahm er zunächst die Stelle eines Verwaltungsbeamten bei den königlich rumänischen Bahnen und wurde später Administrator des
Invalidenhauses in Bukarest.
Nachdem sich sein Gesundheitszustand nicht gebessert hatte, kehrte Möckesch 1886 "leiblich gebrochen" nach Hermannstadt zurück, wo er am evangelischen Gymnasium und der angebundenen Realschule doch noch eine
Anstellung als Lehrer für rumänische Sprache erhielt. Am 15. April 1890 starb er verarmt im "Franz Josef"-Bürgerspital in Hermannstadt.
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| Titelblatt des Werkes "Haideblümchen" von 1873. |
Neben seinem Wirken als Pfarrer war M.S. Möckesch auch schriftstellerisch tätig. Er verfasste einige Gedichte, Erzählungen, historische und philologische Schriften. Seine besondere Bedeutung liegt aber mit auf dem Gebiet der Übersetzung.
Er gehörte zu den ersten siebenbürgisch-sächsischen Gelehrten, die sich mit der rumänischen und zigeunerischen Lyrik befassten und Proben daraus ins Deutsche übersetzten.
Umgekehrt hatte bereits sein Vater 1837 den "Wilmsen'schen Deutschen Kinderfreund" in die rumänische Sprache übersetzte. Seinem Beispiel folgte Martin S. Möckesch als er 1846 für den Gebrauch in der Gemeinde von Baumgarten geistliche Lieder teils aus dem
Deutschen übersetzt, teils selber gedichtet, in "walachischer Sprache" veröffentlichte. In Handschrift hinterließ er in Baumgarten zudem eine rumänische Agende, die Übersetzung der Leidensgeschichte Jesu aus dem damaligen württembergischen Gesangbuch,
sowie eine Übersetzung des Kleinen Kathechismus Luthers ins Rumänische.
Im Verlag von Theodor Steinhaußen erschien 1851 ein Band rumänischer Dichtungen - von Möckesch bearbeitet und ins Deutsche übersetzt. Das Bändchen "Haideblümchen" (1873) präsentiert den deutschsprachigen Lesern übersetzte Dichtungen und Sprichwörter der Zigeuner.
Osterlied Dai, dewlitza, de wlorea Kei pe lean p'o luludea Tatcha la lumea, Te wamen paschala. Oschti wada opre, Ketchi watra schuladji Ki messeli la schardi. |
Gott, der du mit Blumen nieder Auf die Erde dich gesenkt Und, erwärmend, ihr nun wieder Frohe Ostern hast geschenkt, O, erfülle meine Bitte: Tritt' auch ein in meine Hütte, Denn gekehrt hab' ich sie frisch Und gedeckt den kleinen Tisch. |
Quelle: Haideblümchen 1873, S. 8. |
Möckesch interessierte sich nicht nur für die Sprache der Zigeuner und Rumänen, sondern auch für ihre Sitten und Bräuche, sowie ihre Abstammung. 1867 veröffentlichte er eine Schrift mit dem Titel: "Beweise für die celtische Abstammung der Walachen oder Romänen, besonders derer, welche im Großfürstenthume Siebenbürgen leben".
Trinklied D’ar fi aurul ka sè poatè Sè ’mi dea viatzè ’ndelungatè Alt nimk n’asch mai pofti, Tschi m’asch strèdui d’asch strèndsche, Schi de moarte nu m’asch plindsche, Kètsch ’l asch da schi m’asch pleti. Dar’ avearea, tsche nu poate Sè mè skoatzè dela moarte Pèntru tsche s’o agonisesk? Pèntru tsche eu cu durere, Ka sè dobèndesk avere La totzi sè mè kètschulesk? Mai bine sèrak, in platsche (sic!) Sè trèesk, kum mie ’mi platsche, Pènè kènd va fi sè moriu. Kèsi nu potschiu sè ’mi fak eu mie, Dar sfèrschitul mea (sic!) sè fie Intrè vin schi intr’ Amor. |
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Könnte Gold ein langes Leben Mir auf dieser Erde geben, Wünscht ich nichts mir nebenbei: Denn ich wollt’s zusammentragen, Ueber Sterblichkeit nicht klagen. – Ich gäb’s hin und macht’ mich frei. Doch was soll ich mich bemühen, Schätze hier an mich zu ziehen, Da vom Tod sie nicht befrei’n? Warum soll mit trüben Sinnen, Um Vermögen zu gewinnen, Jedermann ich dienstbar sein? Wenn auch dürftig, nur in Frieden, Will ich leben stets hienieden Bis zum letzten Stündelein. Nicht kann ich Paläste gründen, Doch der Tod soll mich einst finden Froh bei Liebe und bei Wein. |
Quelle: Romänische Dichtungen 1851, S. 28-29. |
Quellen & Literatur
· Martin Samuel Möckesch, Romänische Dichtungen. Ins Deutsche übersetzt, Hermannstadt 1851.
· Ders., Haideblümchen. Zigeunerische Dichtungen und Sprichwörter ins Deutsche übersetzt, Buka-
rest 1873.
· Joseph Trausch, Friedrich Schuller, Schriftsteller-Lexikon oder biographisch-literarische Denkblät-
ter der Siebenbürger Deutschen. Nachdruck der Bände 1-4, Köln 1983.
